Zertifizierungen in der Fördertechnik

Das Einhalten bestimmter Standards und Normen ist für viele Betriebe allein schon zwecks Kundengewinnung und Rekrutierung von Fachkräften alternativlos. Wir beleuchten, welche Zertifikate es speziell für die Fördertechnik und deren Komponenten gibt.

22.01.2021
von Vanessa Dumke
Lesezeit: ca. 4 Min.

Normabweichungen unerwünscht: Mithilfe von Zertifizierungen können Unternehmen jeglicher Branchen bestehenden sowie potenziellen Kunden, aber auch Mitarbeitenden, Partnern und Sponsoren oder anderen Stakeholdern belegen, dass sie nach (international) festgelegten Standards arbeiten. Unabhängige Prüfstellen wie TÜV, DEKRA oder DQS kontrollieren dann, ob sich der Betrieb an jene Regeln hält. Diese können sich beispielsweise auf Produkte und Dienstleistungen, einzelne oder mehrere Prozesse, Personen, Systeme oder ganze Unternehmen beziehen. Doch worauf ist insbesondere in unserem Industriezweig, der Fördertechnik, zu achten?Zertifikate für die Fördertechnik

Die Fördertechnik zählt zum Maschinenbau und befasst sich mit der Konzeption, der Auslegung, der Planung und der Realisierung von Fördermitteln. Hierunter fällt zunächst die eigentliche Technik  – bei uns also unter anderem Räder und Rollen. Aber auch die Prozessgestaltung beim Betrieb von Anlagen gehört dazu. Das Fachgebiet der Fördertechnik umfasst also die Gesamtheit aller Transport-, Umschlag- und Lageraufgaben oder -abläufe und das sowohl in technischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht. Daraus ergeben sich unter anderem folgende Parameter, die durch eine Normendefinition geprüft werden können:

  • Qualitätsmanagement
  • Arbeitssicherheit
  • Nachhaltigkeit

Zertifikate für Qualitätsmanagement

Die weltweit wohl bekannteste Norm für Qualitätsmanagementsysteme ist die der International Organization of Standardization (ISO), die ISO 9001:2015. Diese fordert, wiederkehrende Arbeitsabläufe zu regeln und zu standardisieren, Verantwortungsbereiche festzulegen und zuzuweisen, Informationsflüsse an internen und externen Schnittstellen zu organisieren sowie die Qualität von Arbeitsschritten zu prüfen und zu sichern. Kontrolliert wird das durch unabhängige Zertifizierungsstellen.

Besondere Anforderungen hinsichtlich der Qualitätssicherung gibt es beim Schweißen, weshalb es in der ISO 9001 unter den Begriff „Spezieller Prozess“ fällt. Damit sich die Vorgaben für Qualitätsmanagementsysteme auf das Schweißverfahren übertragen lassen, wurde eine eigene Normenreihe DIN EN ISO 3834 ff zusammengestellt, die die „Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen von metallischen Werkstoffen“ definiert.

Werden in einem Betrieb tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium hergestellt, ist dieser durch die europäische Bauproduktenverordnung (EU-BauPVo, vormals Bauproduktenrichtlinie) verpflichtet, solche Bauprodukte in den Mitgliedstaaten der EU mit CE-Kennzeichnung auf den Markt zu bringen. Voraussetzung dafür ist, dass das Werk und die interne Produktionskontrolle EN 1090-1-zertifiziert sind. Mit diesem Zertifikat werden sowohl die Einhaltung der festgelegten Produkteigenschaften der Bauteile als auch die Qualifikation der Fachkräfte und die erforderliche technische Ausrüstung nachgewiesen. Was uns zum nächsten Punkt bringt: dem Schutz der Beschäftigten.

Zertifikate für Arbeitssicherheit

Arbeitsschutz muss als Kernstück innerbetrieblicher unternehmerischer Verantwortung verstanden werden. Er wird vom Gesetzgeber gefordert und unterliegt strengen Vorschriften. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz soll die Arbeitnehmer vor Schäden bewahren und sichert dabei zugleich das Unternehmen vor materiellen und Imageverlusten durch Havarien, Unfälle und dergleichen. Mit der DIN ISO 45001 existiert ein gemeinsamer internationaler Standard, der als verbindliche Grundlage wirkt und von Ländern und Branchen gut angenommen wird. Daneben spielen auch die OHSAS 18001 – welche jedoch im März 2021 ausläuft – und das SCC (Safety Certificate Contractors) eine Rolle sowie das vergleichsweise junge niederländische Regelwerk SCL (Safety Culture Ladder).

Zertifikate für Nachhaltigkeit

Eine weltweit anerkannte Norm für Umweltmanagementsysteme ist die ISO 14001. Sie ist ebenfalls Teil der ISO-Normenfamilie und beinhaltet zahlreiche weitere Normen zu verschiedenen Bereichen des Umweltmanagements, unter anderem zu Ökobilanzen, Umweltkennzahlen und zur Umweltleistungsbewertung. Alternativ gibt es das EMAS (Eco-Management and Audit Scheme), auch bekannt als EU-Öko-Audit.

Eine weitere Umweltschutz-Norm bezieht sich auf Energiemanagement: ISO 50001. Sie soll Organisationen dabei unterstützen, ihre energiebezogene Leistung durch den Aufbau von dazu notwendigen Systemen und Prozessen zu verbessern. Dadurch sollen ungenutzte Energieeffizienzpotenziale erschlossen, Energiekosten verringert und der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen sowie andere Umweltauswirkungen von Energieverbräuchen reduziert werden.