Wohin geht die Reise in der Intralogistik?

Die Auswirkungen der sogenannten "Vierten Industriellen Revolution" machen sich auch in der Intralogistik bemerkbar. Im Interview geht unser Leiter des Projektvertriebs, Christian Klare, auf aktuelle Entwicklungen und Trends ein.

Vanessa Dumke
16.04.20
Lesezeit 5 Min.

 

In vielen Unternehmen ist das Thema Digitalisierung mittlerweile angekommen. Endlich, möchte man sagen. Dennoch hapert es häufig noch an der konkreten Umsetzung, wie aktuelle Untersuchungen belegen. Denn viele Entscheider zögern mit umfassenden Investitionen in Zukunftstechnologien, weil sie sich die Frage stellen: Wo geht die Reise hin in der Intralogistik? Hierzu haben wir einen Experten in einem Interview um seine Einschätzung gebeten, unseren Leiter des Projektvertriebs Christian Klare.

Herr Klare, welche aktuellen Entwicklungen beobachten Sie innerhalb der Intralogistikbranche?

Derzeit dreht sich alles um die intelligente und übergreifende Vernetzung logistischer Prozesse, zum Beispiel über ein zentrales IT-System wie einer Warehouse Management Software. Einzelne intralogistische Prozesse werden nicht mehr unabhängig voneinander geplant, sondern im Kontext der gesamten Wertschöpfungskette betrachtet. An oberster Stelle steht dabei grundsätzlich die effiziente Nutzung der Ressourcen.

Interessant, und in welche Richtung entwickelt sich diesbezüglich die Fördertechnik?

Sie entwickelt sich weg von einer starren, nicht veränderbaren Einrichtung hin zu einem agilen, modular erweiterbaren System. Immer mehr Kunden setzen mittlerweile auf Fahrerlose Transportsysteme (FTS), anstatt auf eine klassische, festverbaute Fördertechnik. Denn eine FTS-Flotte ist deutlich flexibler. Abläufe können in Echtzeit koordiniert und der jeweiligen Situation angepasst werden, zum Beispiel durch das kurzfristige Ändern der Routen. In Zeiten, in denen die Produktionsprozesse immer stärker variieren, spielt das eine zentrale Rolle.

Welchen Anforderungen müssen Komponenten und Fördertechnik denn im Jahr 2020 gerecht werden?

Die Qualität eines Produktes hat immer noch oberste Priorität. Allerdings erwarten Verbraucher heute auch stark individualisierte Lösungen und sehr kurze Lieferzeiten. Die schnelle und flexible Verfügbarkeit von Komponenten und Fördertechnik nimmt daher einen immer höheren Stellenwert ein.

In welchen Ihrer Zielbranchen erwarten Sie die größten Veränderungen und wie sehen diese genau aus?

Die größte Veränderung erwarte ich in der Automobilindustrie. Die Entwicklung hin zur E-Mobilität wird in den nächsten Jahren dazu führen, dass Fertigungshallen bezüglich der Intralogistik stark umgebaut werden müssen. Wichtig ist immer, den Blick auf das Ganze zu richten. Schon an diesem Punkt können wir den Kunden unterstützen und gemeinsam die Prozesse definieren. Grundsätzlich gilt: Je höher der Komplexitäts- und Automatisierungsgrad sein soll, desto früher sollten wir intensiv mit dem Unternehmen zusammenarbeiten.

Betrachten wir die Kundenseite genauer: Inwiefern ändert sich vor dem Hintergrund neuer digitaler Möglichkeiten auch ihr Anspruch an die Intralogistik?

Auch hier müssen wir uns ganz klar mit einem steigenden Anspruch auseinandersetzen. Übergreifende Netzwerkanbindungen werden immer wichtiger. Das bedeutet für die Intralogistik, dass immer größere Datenmengen anfallen und wir immer mehr Big Data auswerten müssen. Fördertechnische Anlagen müssen heute vernetzt sein und entsprechend in die ERP und Warehousemanagement-Systeme integriert werden. Die Steuerung solcher Anlagen wird immer autonomer und durch Leitsysteme gesteuert.

Und inwiefern wird TORWEGGE den Kundenwünschen gerecht?

Dank unseres breit aufgestellten Produktportfolios sowohl im Komponenten- als auch im Fördertechnikbereich sind wir auf alle Anforderungen gut vorbereitet. Darüber hinaus beobachten wir kontinuierlich den Markt und passen unsere Lösungen systematisch an. Wir begleiten die Kunden zudem von der Planung bis zur Realisierung.

Wie sieht es denn mit allgemeinen Trendthemen in der Intralogistik aus? Hat Nachhaltigkeit zum Beispiel einen neuen Stellenwert im Bereich der Komponenten und Fördertechnik gewonnen?

Ja. Insbesondere bei fördertechnischen Anlagen fragen Kunden die energetische Auswertbarkeit immer häufiger an. Die Frage wie viel Energie eine Fördertechnik benötigt und welche Folgekosten entstehen, interessiert jedes Unternehmen und spielt eine bedeutende Rolle im Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) in der Intralogistik?

KI wird die Intralogistik nachhaltig verändern und hat dies sogar bereits getan. Produktionsmengen, Fertigungs-, sowie Bestellmengen können mit ihrer Hilfe ausgelesen und verarbeitet werden. Dies hat dann Auswirkungen auf die gesamte Supply Chain und somit auch auf die Intralogistik.

Wie wichtig wird Ergonomie weiterhin sein?

Diese Aufgabe, gesundheitsschonende Lösungen zu entwickeln, ist vor allem für TORWEGGE immer wichtig. Die speziellen Anforderungen im Bereich Räder und Rollen gehen mit dem Thema einher. Denn sobald etwas händisch verschoben wird, muss man sich zeitgleich mit den ergonomischen Ansprüchen beschäftigen.

Herr Klare, vielen Dank für das Gespräch.