Was ist dran am Mythos Automatisierung?

Automatisierung ist eines der am heißesten diskutierten Themen in Industrie und Logistik. Viele Befürworter verkaufen sie als Schlüssel zum Erfolg, während manche Skeptiker daran den Jobkiller schlechthin sehen. Wir haben uns den Mythos Automatisierung mal genauer angeschaut.

Vanessa Dumke
20.11.20
Lesezeit 5 Min.

 

Auf den ersten Blick wirkt Automatisierung wie ein Allheilmittel. Sie soll für schnellere Prozesse sorgen, die Effizienz in Lager und Produktion erhöhen, Fehler vermeiden und darüber hinaus noch die Kosten senken. Trotzdem stehen viele Unternehmen dem Thema nach wie vor skeptisch gegenüber. Häufige Argumente dafür sind hohe Anschaffungskosten, großer Zeitaufwand und ein angeblicher Verlust der Kontrolle über die eigenen Prozesse. Wir haben uns vier gängige Mythen einmal etwas näher angesehen.

1. Automatisierung kostet Zeit und Geld

Eines sollte klar sein: Automatisierung gibt es nicht auf Knopfdruck und auch nicht zum Nulltarif. Schließlich bedarf es eines gut überlegten Konzepts. Und natürlich haben Automatisierungskomponenten auch ihren Preis. Am einfachsten ist es daher, Greenfield-Projekte zu entwickeln, bei denen Automatisierung gleich von Anfang an mitgedacht werden kann. Damit sich das auch bei Bestandsanlagen und laufendem Betrieb umsetzen lässt, bedarf es unbedingt einer sorgfältigen Planung. In den meisten Fällen bringt Automatisierung aber einen schnellen Return-on-Invest (ROI), es handelt sich also um eine Investition, die sich in der Regel sehr schnell amortisiert.

2. Automatisierung geht nur ganz oder gar nicht

Beim Thema Automatisierung denken viele Unternehmen nach dem Hopp-oder-Top-Prinzip. Wer nicht alles automatisiert, lässt es lieber gleich. Häufig ist aber genau das Gegenteil der Fall: Es muss nicht immer das vollautomatische Lagersystem sein. Die meisten Intralogistikspezialisten haben modulare Komponenten im Angebot, die sich nahtlos in die bestehende Anlagen integrieren lassen. So können Unternehmen ihre Prozesse schrittweise und bei laufendem Betrieb automatisieren. Auch aus Kostenperspektive bietet es etliche Vorteile, zunächst nur bestimmte Teile des Materialflusssystems umzustellen.

3. Mehr Automatisierung heißt weniger Kontrolle

„Wer automatisiert, verliert die Kontrolle über seine Prozesse“, ist ein häufig geäußerter Vorwurf. Auch hier ist es jedoch eher andersherum. Automatisierte Abläufe lassen sich in der Regel detailgetreu und in Echtzeit überwachen. Denn moderne Software liefert wertvolle Kennzahlen und transparente Kontrollmöglichkeiten, von denen Unternehmen sonst nur träumen können. Darüber hinaus ist Technik meist weniger fehleranfällig als der Mensch, da sie weder müde noch unkonzentriert ist.

4. Automatisierung: Jobkiller oder Wachstumsmotor?

Durch Automatisierung fällt bis 2030 jeder vierte Job weg – diese oder ähnliche Zahlen liest man in diesem Zusammenhang recht häufig. Das leuchtet grundsätzlich auch ein, denn Automatisierung kommt vor allem in besonders personalintensiven Bereichen zum Tragen. Trotzdem bedeutet das nicht, dass automatisierte Prozesse menschliche Arbeit komplett ersetzen. Viele betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können umgeschult werden. Dazu kommt, dass selbst die innovativsten Technologien (zumindest vorerst) nicht gänzlich ohne den Menschen auskommen. Die täglichen Abläufe werden sich durch voranschreitende Automatisierung also verändern, eröffnen aber zeitgleich auch Freiräume und neue Perspektiven, die es zu nutzen gilt.

Quo Vadis, Automatisierung?

Eines kann man mit Sicherheit sagen: Die eine oder die perfekte Lösung gibt es nicht. Automatisierung ist ein sehr komplexes Thema und jedes Unternehmen muss individuell beurteilen, ob und in welcher Form die (Teil-)Automatisierung von Prozessen förderlich ist. In jedem Fall bedarf das Thema deshalb einer sorgfältigen Planung.

Hierbei kann es sinnvoll sein, auf die Unterstützung von externen Experten zurückzugreifen. TORWEGGE ist seit vielen Jahren ein gefragter Experte für intralogistische Prozesse und hat zahlreiche Automatisierungskomponenten im Sortiment.