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So entstehen neue Räder, Rollen und Fördertechnik

Immer wieder ergeben sich im innerbetrieblichen Warentransport Probleme, die bestehende Förder-, Handhabungs- und Transporttechnik nur schwer oder gar nicht lösen können. Beispielsweise fehlten auf dem Markt lange Zeit Röllchen, deren einzelne Bestandteile bei gleichem Grundaufbau so individuell zusammengestellt werden können, dass das Endprodukt optimal auf jeden beliebigen Anwendungsfall ausgelegt werden kann. TORWEGGE hat dies erkannt und eine Lösung entwickelt: die modular aufgebauten FlexO-Röllchen. Sie können kundenspezifisch konfiguriert und ohne Entwicklungsaufwand sogar in kleiner Stückzahl kurzfristig vergleichsweise kostengünstig produziert werden. Aber wie entstehen eigentlich neue Produkte wie die FlexO-Röllchen? Im Interview haben wir darüber mit unserem Produktmanager Tim Hallau gesprochen.

04.03.2022
von Thorsten Burgard
Lesezeit: ca. 4 Min.

 

Die Produktentwicklung umfasst die Verbesserung vorhandener Lösungen sowie die Erarbeitung von Innovationen. Das Ziel der Beteiligten ist es, Probleme zu lösen oder Dinge zu vereinfachen. Klassische Fragen von Produktentwicklerinnen und Produktentwicklern in der Förder-, Transport- und Handhabungstechnik sind: Wie lassen sich diese oder jene Güter am einfachsten bewegen? Wie können bestehende Komponenten optimiert werden, um die Beförderung unter den gegebenen Bedingungen zu vereinfachen? Unser Produktmanager Tim Hallau und seine Kolleginnen und Kollegen versuchen täglich Antworten darauf zu finden. Wie das genau abläuft, erzählt er im Interview.

Tim, wie lange bist du schon an der Produktentwicklung bei TORWEGGE beteiligt und was bereitet dir daran die größte Freude?

Ich bin seit knapp einem Jahr als Produktmanager tätig, bin aber schon länger im Unternehmen und war vorher in der Technik. Jetzt trage ich zusammen mit einigen Kolleginnen und Kollegen dazu bei, dass einzelne Komponenten sowie komplette Systeme der Transport-, Förder- und Handhabungstechnik aus dem Hause TORWEGGE kontinuierlich verbessert werden. Und natürlich entwickeln wir zum Teil auch ganz neue Lösungen. Diese Aufgabe ist wahnsinnig vielseitig und hier arbeiten mehrere Abteilungen zusammen. Das gefällt mir sehr gut.

Das heißt, Produktentwicklung ist keine eigene Abteilung?

Richtig. Bei TORWEGGE kommen regelmäßig die Geschäftsführung und Mitarbeitende aus dem strategischen Einkauf, der Technik, der Qualitätssicherung und des Produktmanagements zusammen. Durch die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit fließen Ideen und Meinungen von Personen mit unterschiedlichen Perspektiven ein. Wir haben so einerseits jede Menge Input, können aber andererseits bei jedem Entwicklungsprojekt von Anfang an im Gespräch mit der Technik und der Geschäftsführung prüfen, ob Ideen praktisch und finanziell umsetzbar sind und strategisch Sinn ergeben.

Wie groß ist denn die Runde und was haben alle Beteiligten gemeinsam?

Wir sind vier Personen. Jeder von uns verfügt über ein gutes technisches Verständnis und kennt sich im Markt aus.

Und wenn jemand anders mal eine Idee einbringen möchte?

Das ist möglich und passiert oft. Meistens werden unsere Gebietsverkaufsleiterinnen und -leitern bei den Kunden vor Ort auf Problemstellungen und Verbesserungsmöglichkeiten im Materialfluss aufmerksam. Dies tragen sie an uns heran. Oder es kommt vor, dass jemand einen Ansatz hat, wie man bestehende Förder-, Transport- oder Handhabungstechnik auf einen anderen Anwendungsfall übertragen kann, beispielsweise indem Größen verändert oder Materialien mit anderen Eigenschaften verwendet werden. Da kommt dann die Produktentwicklung ins Spiel.

Jetzt mal zum Ablauf: Was passiert von der Produktidee bis zur Marktreife?

Am Anfang steht eine Problemstellung. Diese kann intern bei TORWEGGE erkannt oder durch einen Kunden benannt werden. Letzteres ist allerdings selten der Fall. Zunächst wird geprüft, ob es in unserem Portfolio dafür bereits eine Lösung gibt. Wenn nicht, entsteht eine erste Produktidee. Diese wird weiter ausgearbeitet, ein Prototyp wird entwickelt. Im Idealfall können wir die neue oder weiterentwickelte Transport-, Handhabungs- oder Fördertechnik dann beim Kunden testen, laufend optimieren, erneut testen und so weiter und so fort. Wenn alles passt, werden größere Stückzahlen produziert und das Produkt wird intern und extern bekannt gemacht, sodass der Vertrieb starten kann. Bei einer Neuentwicklung melden wir zudem Schutzanspruch an.

Vielleicht kannst du den Prozess einmal an einem konkreten Beispiel beschreiben?

Na klar. Nehmen wir die manuell konfigurierbaren FlexO-Röllchen, die wir im vergangenen Jahr entwickelt haben – eine echte Marktneuheit.

Hier hatte unser Gebietsverkaufsleiter Christian Birkholz erkannt, dass die Oberflächen von Förderröllchen, die einer seiner Kunden im Einsatz hatte, nicht optimal auf den Anwendungszweck zugeschnitten waren. Aufgrund des starken Abriebs hinterließen die Röllchen farbige Spuren. Christian präsentierte daraufhin eine erste Idee, wie das Problem gelöst werden könnte. Zusammen mit dem Produktmanagement, der Technik und den Vorlieferanten entwickelten wir diese dann weiter. Wir hatten dabei das Glück, dass die Entwicklung schon in einem frühen Stadium durch einen Kundenauftrag vorangetrieben wurde und wir schnell Ergebnisse aus den Produkttests unter realen Bedingungen erhielten.

Der Kunde war sehr begeistert und setzt die FlexO-Röllchen weiterhin ein. Zudem hat er uns einen Folgeauftrag für die Produktion größerer Stückzahlen erteilt. Mittlerweile sind Lagervorräte vorhanden. Dennoch entwickeln wir die Röllchen immer weiter.