IFOY Award: TORsten auf dem Prüfstand

Journalisten durchbohren Manipula-TORsten bei den IFOY-Testtagen mit ihren prüfenden Blicken. Eine Reportage und ein Interview mit einem Jurymitglied.

Vanessa Dumke
20.03.19
Lesezeit 6 Min.

Eine Traube Fachjournalisten hat sich an unserem Stand in Halle 4 der Messe Hannover versammelt. Sie sehen wichtig aus – und sind es auch. Allesamt sind Mitglieder der IFOY-Jury und entscheiden darüber, ob wir zum zweiten Mal den bedeutenden Award entgegennehmen. Es ist Freitagvormittag und es wird ernst. Die Zeit läuft: Genau fünf Minuten haben wir, um den Manipula-TORsten zu präsentieren und herauszustellen, was an der Weiterentwicklung des FTS so innovativ ist. Denn nur wenn die Jury am Ende der Meinung ist, dass Manipula-TORsten eine absolute Neuheit und relevant für den Markt ist, gewinnt er.

Unser Bereichsleiter Jörn Dauer muss nicht viel tun, um die Aufmerksamkeit der Juroren zu erregen – das schafft unser TORsten mit dem Roboterarm von PILZ ganz allein. Immer wieder fährt er seine Schleife zwischen einer Rollenbahn und einem Regal und zeigt, wie der Roboterarm eine Kiste eigenständig greifen und abstellen kann.

IFOY-Testtage im Video

Dauer erklärt das Szenario, das nur eine mögliche Ausprägung unseres FTS zeigt. Was die Jury dort sieht, ist nur ein Beispiel dafür, wie TORsten ausgebaut werden kann. Dahinter steckt die Idee, dass die Erweiterung eines FTS intralogistische Prozesse entscheidend verändern kann. „Mit unserem technologischen Ansatz, Modularität und verschiedene Aufbauten zu kombinieren, sind wir ganz weit vorne“, sagt Dauer.

 

Fragen der Jury

Die Jurymitglieder schauen genau hin, hören interessiert zu. Einige machen Fotos und drehen kurze Videos. Manch einer stellt Fragen, will zum Beispiel Folgendes wissen:

Kann sich TORsten auch schneller fortbewegen?

Ja. Zwar sieht es in dem gezeigten Szenario tatsächlich so aus, als wäre das FTS eher gemütlich unterwegs. Allerdings trügt der Schein. Das hat zwei Gründe: Erstens gelingt die Positionierung von TORsten bis auf unter fünf Millimeter genau und ist damit exakter als bei vielen anderen auf dem Markt erhältlichen FTS. Ein Fahrzeug so genau zu lokalisieren dauert aber natürlich ein paar Sekunden. Zweitens kommt bei diesem Szenario hinzu, dass TORsten nur kurze Wege zurücklegt. Auf geraden Strecken schafft er 0,6 Meter pro Sekunde und erfüllt damit die Norm für FTS Fahrzeuge im Zusammenspiel mit Personen. Aber in unserem Szenario fährt er wenig geradeaus. Er fährt zwei Meter, positioniert sich vor der Rollenbahn, fährt wieder zwei Meter, positioniert sich vor dem Regal und so weiter. Das lässt unser FTS sehr langsam erscheinen. In realen Produktionsprozessen würde das ganz anders wirken.

Gibt es schon Anwendungsfälle?

Nein. Wir zeigen hier den Forschungsstand. Ein mobiler Manipulator in dieser Form ist auf dem Markt noch nicht verfügbar. Es ist möglich, FTS so weiterzuentwickeln, dass sie zum Materialhandling oder Picking eingesetzt werden können. Aber bis solche Anwendungen marktreif sind, dauert es noch.

IFOY-Gewinner werden im April bekannt gegeben

Die Journalisten aus 19 Ländern machen sich Notizen. Dann zieht die Traube langsam weiter. Sie haben nicht viel Zeit, denn insgesamt sind 15 Produkte von zwölf Herstellern zu bewerten. Der IFOY-Award wird 2019 in sechs Kategorien verliehen. Manipula-TORsten ist in der Kategorie „AGV & Intralogistics Robot“ nominiert, genau wie Produkte von Jungheinrich und Still. Ob wir gewinnen, erfahren wir auf der Preisverleihung am 26. April in der Wiener Hofburg.

Bis dahin wird Stillschweigen bewahrt. „Wir haben ein ganz gutes Gefühl“, sagt Jörn Dauer, der zusammen mit drei Kollegen schon die ganze Woche in Hannover verbracht hat. Der Testtag mit den Journalisten war nur eine Etappe, die Manipula-TORsten auf dem Weg zum möglichen IFOY-Award meistern musste:

  • Montag: IFOYInnovation-Check mit Prof. Dr. Johannes Fottner von der TU München; in einem 90-minütigen Interview hat der Experte das gesamte System gründlich hinterfragt.
  • Dienstag und Mittwoch: Einige Vorführungen des Produktes und Test durch den IFOYTester Theo Egberts, Foto- und Videoerstellung
  • Donnerstag: Anreise der Jury, Pressekonferenz und offizielle Präsentation der Produkte, die nicht live gezeigt werden konnten.

TORsten umgeben von Produkten großer Player

„Die großen Namen, die uns in der Halle umgeben, schüchtern uns nicht ein“, sagt Dauer. Still, SAE, Hubtex und Raymond sind unsere direkten Standnachbarn. Darüber hinaus stellen Cargometer, Clark, Combilift, Jungheinrich, UniCarriers, ProGlove und Trône Seating ihre Neuentwicklungen vor. Wir sind stolz darauf, dazuzugehören und in gewisser Hinsicht die Nase vorn zu haben.

Aufgabe der Jury ist es ohnehin nicht, die in einer Kategorie nominierten Produkte untereinander zu vergleichen. Es geht darum, die Innovationen im Vergleich zu ähnlichen Produkten auf dem Markt zu bewerten. Der Fokus liegt dabei auf dem Innovationswert, der Marktrelevanz, dem Kundennutzen und der Art der Umsetzung.

3 Fragen an Matthias Pieringer

Und was sagt die Jury? Das wollten wir ebenfalls genauer wissen und haben den Logistik-heute-Chefredakteur Matthias Pieringer kurz interviewt.

Herr Pieringer, Sie sind zum ersten Mal in der Jury. Warum haben Sie sich für dieses Amt beworben?

Als Chefredakteur eines bedeutenden Logistikmediums ist es für mich sehr wichtig, einen Überblick über die Branche zu haben. Außerdem ist es meine Aufgabe als Journalist, Neuigkeiten aufzuspüren und die Leser meines Blattes frühzeitig darüber zu informieren.

Ist Manipula-TORsten in Ihren Augen eine berichtenswerte Innovation?

Natürlich. Die Verbindung aus FTS und Robotereinheit stellt aus meiner Sicht eine Marktneuheit dar. Ich gehe davon aus, dass solche Lösungen die Zukunft der Intralogistik sein könnten. Das soll aber nicht heißen, dass ich meine Wahl schon getroffen habe. Ich habe hier viele interessante Produkte gesehen und es wird mir nicht leicht fallen, mich zu entscheiden.

Müssen Sie die Entscheidung allein treffen?

Am Ende ja. Aber ich bin ganz froh, dass ich zwei Berater an meiner Seite habe. Ein Mann aus der Praxis und ein Medienkollege unterstützen mich. Das hilft mir sehr.